Regenwasser
Unsere Themen: Naturnaher Umgang  Kanalisation  Regenrückhaltung 

Jede Bebauung verändert das Gleichgewicht des natürlichen Wasserkreislaufs: Durch die Versiegelung ursprünglich bewachsener Flächen nehmen Verdunstung und Bodenspeicherung erheblich ab. Regen fließt von befestigten Flächen stärker und schneller ab als in der Natur. Dies zeigt sich nicht nur an einer geringeren Neubildung von Grundwasser oder einem trockenerem Kleinklima, sondern führt auch zu einer stärkeren hydraulischen Belastung der Gewässer bis hin zum Hochwasser. Die Überflutungen in Italien und der Schweiz vom Oktober 2000 sind ein neueres Beispiel dafür, daß eine übermäßige Sammlung und Ableitung von Regenwasser große Probleme verursacht.


Natürliche Verteilung des Regenwassers
 

Regenwasserverteilung bei versiegelten Flächen
 

Naturnaher Umgang

Starke hydraulische Belastungen infolge von Regenereignissen können oft durch einfache und naturnahe Maßnahmen vermieden werden. So lassen sich gering verschmutzte Dachabläufe an Ort und Stelle über bewachsenen Oberboden versickern oder sogar über Zisternen als Brauchwasser nutzen. Verkehrsflächen, die nur geringen Verschmutzungen ausgesetzt sind, lassen sich wasserdurchlässiger gestalten, z.B. mit Rasengittersteinen oder Kies.
 


 

Ferner sollten für große Regenwassermengen soweit als möglich die natürlichen Puffer wie Teiche, Gräben, Mulden und Feuchtgebiete genutzt werden, durch die sich die Belastung oberirdischer Gewässer drosseln läßt. Der naturnahe Umgang nutzt dabei nicht nur der Umwelt, sondern vermeidet in der Regel auch größere Investitionen für die zentrale Ableitung und Behandlung des Regenwassers.

Kanalisation

In vielen Gebieten herrschen Rahmenbedingungen, wo das Regenwasser nicht vor Ort versickert werden kann. Bei fehlenden Flächen, schlechter Bodendurchlässigkeit oder hohem Grundwasserspiegel muß das Regenwasser gesondert abgeleitet werden. Hierbei gibt es zwei grundlegende Möglichkeiten: entweder wird das Regenwasser im gleichen Kanal wie das Abwasser geführt (Mischkanalisation) oder aber in einem eigenen Kanalsystem (Trennkanalisation).
 

 
 
 

Regen-Entwässerungs-Schacht
 

In der Vergangenheit waren Mischkanäle am weitesten verbreitet, da hierfür nur ein Kanal gebaut zu werden brauchte. Dafür mußte aber nicht nur der Kanal sondern auch die Kläranlage auf die hohen hydraulischen Stöße bei Starkregenereignissen ausgelegt werden. Mit zunehmenden Anforderungen des Gewässerschutz wurde es aber immer teurer, das wenig belastete Regenwasser mitzubehandeln. Bei Neubau bzw. Erneuerung von Kanälen werden heutzutage meist getrennte Systeme realisiert. Hierbei spielt auch die gesetzliche Forderung eine Rolle, daß die Abläufe stärker befahrener Straßen ohnehin getrennt gesammelt werden, um Öl und Benzin abzuscheiden. Da sich Kanalsysteme über sehr lange Zeiträume entwickeln, existieren heute in vielen Gemeinden beide Systeme nebeneinander.

Regenrückhaltung

Regen besitzt eine völlig andere Charakteristik als das kalkulierbare Abwasser. Maßgeblich für die Auslegung der Kanäle und Rückhaltebecken ist das sogenannte Starkregenereignis, bei dem innerhalb von 15 min 0,5 Liter pro m2 Einzugsfläche anfallen. Die Realität eines Unwetters wird mit einem solchen Bemessungswert zwar nicht erfaßt, aber der erhebliche Mehraufwand zur Aufnahme solcher extremen Wassermengen läßt sich i.a. nur dann rechtfertigen, wenn entsprechend hohe Risiken bestehen.
 

Flüsse und Seen, aber auch Kläranlagen lassen es nur selten zu, daß Ihnen große Regenwassermengen direkt zugeleitet werden, weil solche hydraulischen Stöße Ökologie bzw. Anlagenbetrieb gefährden. Sowohl Regen- wie auch Mischwasserkanalisationen enthalten daher Becken zur Rückhaltung solcher Starkregenereignisse. Mit Regulierventilen, aber auch mit Pumpen wird deren Ablauf auf die zulässige Menge gedrosselt. Bei der reinen Regenwasserpufferung sollte dieses Maximum dem natürlichen Abfluß des Einzugsgebietes entsprechen. Bei Mischwasser wird der Ablauf durch die hydraulische Bemessungskapazität der Kläranlage begrenzt.
 

 
 
 

Teich zur Regenrückhaltung
 

Erst wenn das Puffervolumen eines solchen Beckens vollständig ausgeschöpft ist, darf es zum direkten Überlauf in den Vorfluter kommen. Bei Regenüberlaufbecken (RÜB) ist der Überlauf integriert, während Rückhaltebecken meist mit vorgelagerten Regenabschlagschächten kombiniert werden. Bei reinem Regenwasser läßt sich die Rückhaltung auch naturnah als Teich gestalten. Bei Mischwasser, dessen Pufferung im städtischen Bereich i.a. unterirdisch erfolgt, muß berücksichtigt werden, daß vom ersten Regenstoß eine große Menge abgesetzter Fäkalien mitgerissen wird, die im Rückhaltebecken homogenisiert und in der Kläranlage behandelt werden muß.